Lippische Rose

 Auswanderung Lippe-USA 

Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e.V.

Sternenbanner

Zwei Lipper bauen traumhafte Autos in der USA

Brüder DüsenbergDer Name Düsenberg ist in Lemgo mindestens seit dem 18. Jahrhundert mehrfach nachzuweisen - der erste Duesenberg stammte aus Minden. Der Name kommt außer in Kirchheide auch in Niedermeien, Lüerdissen, Leese, Pillenbruch und Talle vor, aber in Kirchheide muss das Leben besonders schwer gewesen sein. Nur von dort sind sie als Auswanderer bekannt geworden. Die Düsenbergs bewohnten das Anwesen Nr. 34, aus dem bereits 1866 der Ziegler Heinrich D. nach Amerika auszog; es folgte nach 2 Jahren die 65jährige Witwe Katharina D. - Als Anfang der 80er Jahre der Colon Konrad Heinrich Ludwig D. in Kirchheide starb, entschloss sich seine Witwe Luise Conradine 1884 mit 6 Kindern (Conrad 22 J., Wilhelmine 19 J., Caroline 14 J., Amalie 10 J., Friedrich 7 J. und August 4 J.) ebenfalls, ihr Glück in Amerika zu suchen; ihren Wagemut und Unternehmergeist gilt es an erster Stelle zu würdigen. Die Überfahrt kam 1885 zustande; nach der Landung in New York oder Baltimore reiste man dann zum Ziel, der Stadt und dem Eisenbahnknotenpunkt Rockford in Illinois, etwa 130 km nordwestlich von Chicago.

Friedrich, aus dem nun Fred geworden war, und August (Augi) arbeiteten zunächst in der Landwirtschaft. Fred nahm dann mit 17 Jahren eine Anstellung in einer Werkzeug- und Ausrüstungshandlung in Rockford an, richtete dort Windmühlen auf und brachte andere mechanische Geräte zum Einsatz. 1897 eröffneten Fred und Augi eine eigene Fahrradfirma - in den 90er Jahren bekam das Fahrrad seine heutige Gestalt mit Gummibereifung und Tretlager zwischen den beiden Rädern; das bedeutete einen großen Fortschritt. Aus der Begeisterung darüber entwickelte sich bald ein organisierter Radrennsport. Besonders Fred war für beides sehr empfänglich und "kurbelte" den Absatz durch eigene Rennerfolge an: er war an über 30 Rennen im Jahr beteiligt und stellte 2 Weltrekorde auf; nebenbei bastelte er einen Benzinmotor mit Drehventilen und sehr gutem Wirkungsgrad (1899). Fred drängte danach, seine technische Begabung bei größeren Aufgaben anzuwenden; er ließ sich 1902 auszahlen und wechselte als Versuchsfahrer und Entwicklungsingenieur zu einer Automobilfabrik, während sein Bruder weiterhin Fahrräder baute.

Der Fortschritt gerade in der Fahrradbranche muss ansteckend gewesen sein, denn auch die Gebrüder Wright und der Flugzeugkonstrukteur G. Curtiss wechselten von Fahrrädern zu motorisch angetriebenen Fahrzeugen. Vielleicht hatte Fred erfahren, dass auf dem Alten Kontinent Nikolaus Dürkopp in Bielefeld ebenfalls Fahrräder baute, bevor er ab 1894/97 Motorfahrzeuge herstellte und übrigens 1904 das erste Automobil Lippes an W. Hoffmann in Salzuflen (5 km von Kirchheide entfernt) lieferte, lange bevor der Fürst ein Auto besaß.

Dann wagte Fred zusammen mit einem Gesellschafter die Gründung einer eigenen Fabrik und konnte 1910 seinen ersten Rennwagen vorführen.

Es folgte ein rasanter Aufstieg Freds, während sein Bruder August den notwendigen besonnenen Gegenpol bildete. Mit einem neuen Gesellschafter gründete Fred 1913 die "Duesenberg Motor Company"; er machte wieder durch Rennerfolge seinen Namen bekannt und "kurbelte" den Absatz seiner Autos an. Mit seinem Bruder zusammen verbesserte er seinen Motor für den Einsatz in Rennwagen, später in Motorbooten und Flugzeugen - auf seiner höchsten Entwicklungsstufe wurde er 1913 auf beider Namen patentiert. Im gleichen Jahr ließ sich Fred auch eine weitere Errungenschaft bestätigen: er schloss mit Isle Denny aus Runnells, Iowa., den Bund der Ehe, aus der ein Sohn hervorging.

Der erste Weltkrieg kam, und Fred ließ zu, dass seine Motoren (ab 1916 in einer größeren Fabrik in Chicago hergestellt) in U-Bootjäger der British Navy eingebaut und ab 1917 Flugzeugmotoren aus einer weiteren Fabrik an Großbritannien geliefert wurden. Nach dem Krieg setzte er seinen Siegeszug auf den Rennpisten fort; seine Reihen-Achtzylindermotoren lieferten aus 4,3 l Hubraum unüberbotene 90 PS, damit erreichte er
1920 Weltrekordgeschwindigkeit 251 km/h,
1921 Grand Prix Sieg in Le Mans.

Weiterhin wurden 4 Siege in Indianapolis errungen, und es bestätigte sich die Aussage, dass der Automobilrennsport der Vorreiter des Gebrauchsautos sei: Die "Duesies" bremsten z.B. erstmalig hydraulisch, ebenso ihrer Zeit voraus wurden schon Vierventiler verwendet. Die "Duesies" waren aber nicht nur kraftvolle Rennwagen, sondern auch Luxus-Straßenautomobile mit hohem Prestigewert, durch Einzelanfertigung aber sehr teuer - es wurden bis 1926 etwa 600 Modelle A gebaut. Dagegen kostete das Modell T von Ford dank Großserienproduktion nur ein Zehntel; es war zwar für eine andere Käuferschicht bestimmt, veränderte jedoch die Konkurrenzlage in der Autoindustrie und führte dazu, dass der Stern Fred Duesenbergs sank.1926 übernahm E.L.Cord, 17 Jahre jünger als Fred und bereits Besitzer einer Autofabrik, die Firma Duesenberg. Fred durfte jedoch bei ihm weiter konstruieren: 1929 konnte er das Modell J vorstellen.

Wieder übertrumpfte er die Konkurrenz durch den Motor seines neuen Luxuswagens, der bei hoher Zuverlässigkeit und großer Laufruhe aus 6,9 l Hubraum 265 PS entwickelte und dem Wagen die Spitzengeschwindigkeit 180 km/h verlieh. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich auch auf das Automobilgeschäft aus, und zu allem Unglück erlitt Fred 1932 in seinem eigenen Wagen einen tödlichen Rennunfall (er liegt auf dem Crown Hill Cemetery in Indianapolis begraben).

Trotzdem wurde im gleichen Jahr sein neues Modell SJ vorgestellt, das eine weitere Steigerung an Kraft und Komfort bedeutete und eine Anzahl von Extras serienmäßig aufwies, die es bisher nur als Sonderzubehör gegeben hatte (u.a. einen Kompressor, der auf 320 PS und 210 km/h erhöhte) - er wurde das anerkannte Repräsentationsfahrzeug der High Society, und behielt weiterhin den Namen "Duesenberg". Jede Karosserie wurde extra nach Kundenwunsch von berühmten Herstellern angefertigt, deren Namen in die Typenbezeichnung eingingen. Zu den Käufern, denen diese Extravaganz entgegenkam, gehörten Könige der Filmwelt, der Finanzwelt, echte Könige und sogar Gangsterkönige (wegen der Geschwindigkeit), z.B. Clark Gable, Gary Cooper, Elizabeth Arden und Greta Garbo. Die aufwendigen "Duesies" wurden bis 1937 gebaut, dann mussten auch sie ihren Zoll an die veränderte Wirtschaftslage zahlen. - Der Bruder August konnte sich noch lange Zeit des legendären Rufs erfreuen, er starb 1955 im Alter von 76 Jahren, seine Frau Gertrude geb. Pike überlebte ihn um 19 Jahre.

Links:
Die Autokonstrukteure Fritz und August Düsenberg
Duesenberg Autos - Luxus pur Alte Aktien und Wertpapiere

http://www.lippe-auswanderer.de/AuswandererLippe-USA/html/p008686.htm#P8686
http://www.lippe-auswanderer.de/AuswandererLippe-USA/html/p008685.htm#P8685

Home